Ist Bitcoin das bessere Gold?

Zu meinem 29. Geburtstag im letzten Jahr staunte ich nicht schlecht, als ich meine Geschenke auspackte und plötzlich in einer verschweißten Verpackung einen glänzenden Gegenstand in den Händen hielt. Es war tatsächlich Gold! Das Zertifikat dazu bescheinigte 999,9 Karat Feingold. Für mich fühlte sich das sehr besonders an und der Anblick dieses kleinen Schatzes erzeugte ein positives Gefühl in mir. Sofort wollte ich wissen was es Wert war und fing an mich mit Gold näher zu beschäftigen.

Was ist Gold und wo kommt es her?

Auf seine physikalische Zusammensetzung reduziert ist Gold ein chemisches Element (Au) und gliedert sich als Übergangsmetall in die Reihe von Kupfer und Silber ein. Aufgefallen ist es den Menschen bereits vor tausenden von Jahren in der Erde vermutlich durch seine glänzende Eigenschaft. Mit der Zeit fand man heraus, dass Gold nicht korrodiert und somit ein Edelmetall ist. Außerdem konnte man es gut mechanisch Verarbeiten, bspw. zu Schmuck. So kam es, dass man Gräber aus der Zeit weit vor Christus meist in Ägypten und Südamerika entdeckte, in denen bereits Artefakte und Beigaben aus Gold zu finden waren. Auch als Zahlungsmittel wurden Goldmünzen bereits vor mehr als 2.000 Jahren verwendet. Durch Entdeckungsreisen und Eroberungen im späten Mittelalter wurde Gold auch vermehrt nach Europa gebracht. Im 19. Jahrhundert kam es häufiger zu dem bekannten Goldrausch, weil natürlich viele Menschen nach diesem wertvollen Gestein gierten. Doch tatsächlich ist das Vorkommen eher selten und es ist vor allem aufwendig, Gold zu Tage zu fördern. Heutzutage stammen die meisten Goldmengen aus Asien (China und Russland), sowie aus Nordamerika (USA und Kanada), sowie Australien und es haben sich Industrien gebildet, die das Gold schürfen und verarbeiten.

Gold als Tauschmittel

Münzen aus purem Gold findet man heute meist nur noch im Museum

Nicht jeder Gegenstand eignet sich als Tauschmittel. Bspw. verderbliche Waren müssen kurzfristig gehandelt und verzehrt werden und sind langfristig nicht zu halten, verlieren demnach an Wert. Außerdem sollte der Wert eines Tauschmittels untereinander möglichst identisch sein, sollte gleich viel Wert sein. Das war natürlich auf Grund der unterschiedlichen Größe, Zusammensetzung und Beschaffenheit nicht mit vielen Gegenständen zu gewährleisten. Somit kam die Idee erster Silber- und Goldmünzen als Tauschmittel aus der Zeit von ca. 600 Jahren vor Christus. Einige hundert Jahre später wurden die ersten Münzen dann auch geprägt und so hergestellt, dass gleiche Münzen auch einen identischen Wert besaßen. Damit begann das Zeitalter von Geldmünzen, die zu Beginn noch vollständig aus Gold waren. Dieses Tauschmittel funktionierte einige Jahrhunderte erfolgreich, bis sich daraus Metallmünzen entwickelten, die immer weniger Goldanteile besaßen. Die heutigen Euro-Münzen bestehen aus Kupfer, Nickel und anderen Metallen, aber Gold ist dort nicht mehr zu finden.

Was macht Gold wertvoll?

In unserem letzten Beitrag haben wir die Wertentwicklung von Gold bereits angedeutet und wollen diesmal den Blick vergrößern.

Die Entwicklung des Goldpreises in USD ab 1792 (Quelle: Von Realterm – Eigenes Werk[1], CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8730238)

Anhand der Betrachtung der letzten 200 Jahre ist deutlich zu erkennen, dass der Wert pro Feinunze Gold gemessen in US-Dollar deutlich zugenommen hat. Der stärkste Anstieg zeigt sich seit 1971, also in den letzten 50 Jahren, seit für jeden geschaffenen US-Dollar keine Einlage in Gold mehr erforderlich ist (Das Ende des Goldstandards). Damit wurde es möglich, schneller Geld zu erzeugen und in Umlauf zu bringen. Das war zu dieser Zeit unter Anderem notwendig, damit das Wettrüsten zwischen den USA und Russland zur Zeit des kalten Krieges nicht zugunsten Russlands verloren ging, weil für die Aufrüstung des Militärs permanent neues Geld benötigt wurde. Im Übrigen ist heute keine Landeswährung auf der Welt mehr an den Goldpreis gekoppelt, was bis zum 1. Weltkrieg bei den meisten Währungen der Fall war. Spannend daran ist also die Frage, warum Weltwährungen überhaupt einmal an Gold gebunden waren. Ein Berechnungs-Modell namens stock-to-flow-ratio (zu Deutsch in etwa: Bestand-zu-Umlauf-Verhältnis) versucht das zu erklären.

Das stock-to-flow Verhältnis

Ein bedeutender Grund, warum Gold ein hoher Wert zugemessen wird, liegt an der Begrenztheit des Goldvorkommens. Gold ist ein knappes Gut. Und das Schaffen neuer Goldmengen erfordert Einsatz von Kapital und Energie. Denn Gold fällt nicht einfach vom Himmel, sondern muss durch den Einsatz von Arbeit geschaffen bzw. zu Tage gebracht werden. Um dieses Bemühen hat sich heute eine ganze Industrie gesammelt, die weltweit neues Gold aufspürt und zu Tage bringt. Damit lässt sich das stock-to-flow Verhältnis berechnen: Die weltweit neu geschaffenen Einheiten an Gold (= flow), die jedes Jahr zum weltweit vorhandenen Bestand an Gold (= stock) hinzu kommen.

Stock-to-flow ratio von Gold und weiteren Metallen (Quelle: https://seekingalpha.com/article/4061873-gold-overview-macroeconomic-price-drivers)

Aktuell wird davon ausgegangen, dass mehr als 170.000 Tonnen Gold (= stock) in den vergangenen Jahren zu Tage gefördert wurden und jedes Jahr kommen ca. 2.400 Tonnen Gold (= flow) hinzu. Dividiert man nun diese Werte, dann erhält man ein stock-to-flow-ratio von ca. 1,4 %. Also gemessen an den vorhandenen Goldmengen kommen jährlich ca. 1,4 % neue Gold-Einheiten hinzu. Das könnte man auch als Inflation bezeichnen. Man kann die Werte auch anders herum dividieren. Dann sagt dieser Wert aus, dass es mehr als 70 Jahre dauern würde, den aktuellen Goldbestand (= stock) bei gleichbleibender Menge von neuem Gold (= flow) wieder zu erreichen. Das entspricht fast der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Menschen. Natürlich kann die Produktionsmenge erhöht werden, aber das bedeutet gleichzeitig auch einen erhöhten Einsatz von Ressourcen, Energie und Kapital und setzt voraus, dass weitere Mengen an Gold vorhanden sind und gefunden werden.

Stock-to-flow Verhältnis bei Bitcoin

Bei der digitalen Währung Bitcoin müssen keine Goldvorkommen in der Erde gefunden werden. Dort ist die Schaffung neuer Einheiten mathematisch berechenbar und fest in den Code einprogrammiert. Für jeden neuen Block den ein Miner der Bitcoin Blockchain hinzufügt, erhält dieser eine Belohnung, den mining reward, der gleichzeitig das Schaffen neuer Bitcoin ist. Der mining reward folgt einem vorgegebenen Algorithmus und wird alle 210.000 Blöcke halbiert. (Mehr dazu findet ihr in unserem Artikel Mining und Konsensus verständlich erklärt.)

Bitcoin Halvenings (Quelle: https://bitcoinhub.co.za/block-reward-halving-2016/)

So erhielt ein Bitcoin Miner innerhalb der ersten 210.000 Blöcke 50 Bitcoin pro gefundenem Block. Ab dem 210.001 Block, am 28.11.2012, betrug der Reward nur noch 25 Bitcoin pro Block und ab dem 420.001 Block, am 09.07.2016, nur noch 12,5 Bitcoin. Die Halbierung des mining reward nennt man auch halvening (Halbierung). Dieses Event wird wieder im Mai 2020 bzw. bei Block 630.001 stattfinden. Ab diesem Block werden dann noch 6,25 Bitcoin als Belohnung an den Miner erzeugt. Stand heute, am 13.05.2019 um 11:19 Uhr befinden wird uns gerade bei Block 575.812 und damit sind 17.697.650 Bitcoin in Umlauf (= stock). Somit lässt sich das aktuelle stock-to-flow Verhältnis von Bitcoin berechnen: Bei dem aktuellen reward von 12,5 Bitcoin pro Block kommen ca. 657.000 neue Bitcoin pro Jahr hinzu (= flow). Dividiert mit den vorhanden Bitcoin vom jetzigen Zeitpunkt liegt das stock-to-flow ratio damit bei 3,7 %, bzw. bei knapp 27 Jahren. Durch das halvening, das alle 210.000 Blöcke stattfindet verändert sich allerdings das ratio deutlich.

Stock-to-flow ratio Entwicklung von Bitcoin (Quelle: https://medium.com/@jimbryz/bitcoin-stock-to-flow-ratio-256d3e71adbd)

Schon nach dem halvening in 2025 wird das stock-to-flow ratio von Bitcoin erstmals über dem von Gold liegen. Damit entwickelt sich Bitcoin zu einem der knappsten Güter auf diesem Planeten und macht es damit möglicherweise sehr begehrt.

Fazit

Das stock-to-flow Verhältnis hat schon eine bedeutende Aussagekraft über den Wert einer Anlage. Gemessen an dieser Berechnung hat Bitcoin den Wert von Silber bereits in 2015 überholt und ist dabei an dem beliebten Edelmetall, Gold, vorbei zu ziehen. Darüber hinaus hat Bitcoin noch einen weiteren Vorteil: Es ist leichter als Gold und nimmt nicht so viel Platz weg.

Vergleich zwischen 1,6 Milliarden US-Dollar in Gold und einem Bitcoin Hardware Wallet von Trezor

In einem Punkt hat der Bitcoin jedoch das Nachsehen gegenüber Gold und das ist die Dauer seiner Existenz. Weil es Bitcoin erst seit 2009 gibt, kann man es durchaus als Experiment ansehen, dass sich erst noch beweisen muss. Gold gibt es nun einmal seit einigen Tausend Jahren. Dennoch zeigt sich der Bitcoin, allen Widerständen zum Trotz, bisher sehr lebhaft und robust, wenn nicht sogar antifragil. Daher ist es möglicherweise auch interessant, sich mit beiden Anlageformen näher zu beschäftigen.