Bitcoin und Mehrwertsteuer

Bitcoin und Mehrwertsteuer
Bitcoin und Mehrwertsteuer

Wie Benjamin Franklin einmal sagte: „Nichts in dieser Welt ist sicher, außer dem Tod und den Steuern!“

So gilt der Grundsatz zur Steuerpflicht auch bei Kryptowährungen von Bitcoin & Co. Für Aussagen, ab wann Gewinne aus dem Handel mit Kryptos als realisiert gelten und zu welchem Steuersatz diese berechnet werden, müssen wir auf einen Steuerberater verweisen. Nur dieser kann konkret und sicher eine Aussage dazu treffen.

In diesem Artikel möchten wir euch aber dennoch die umsatzsteuerliche Behandlung von Bitcoin & Co. erläutern. Das Bundesfinanzministerium hat am 27.02.2018 ein Schreiben zur Behandlung von Bitcoin & Co. mit der Umsatz-/Mehrwertsteuer veröffentlicht. Daher möchten wir versuchen einige Ableitungen aus diesem Schreiben zu treffen, die mehr als eine Orientierung und zum besseren Verständnis dienen. Eine steuerliche Beratung können wir nicht geben. Bitte wendet euch dafür an einen Steuerberater.

Umsatzsteuerliche Behandlung

„Bei dem Umtausch von konventionellen Währungen in Bitcoin und umgekehrt handelt es sich um eine steuerbare sonstige Leistung, die im Rahmen einer richtlinienkonformen Gesetzesauslegung nach § 4 Nr. 8 Buchst. b UStG umsatzsteuerfrei ist.“

Das heißt, dass der Kauf und der Verkauf von Bitcoin selbst, von der Mehrwertsteuerpflicht befreit ist. Auf sogenannte Trades (Handel) sind keine 19% MwSt. zu tätigen. Anders ist das, wenn man seine Waren in Bitcoin verkaufen möchte.

Verwendung als Zahlungsmittel

Die Verwendung von Bitcoin wird der Verwendung von konventionellen Zahlungsmitteln gleichgesetzt, soweit sie keinem anderen Zweck als dem eines reinen Zahlungsmittels dienen. […] Bei Zahlung mit Bitcoin bestimmt sich das Entgelt […] nach dem Gegenwert in der Währung des Mitgliedsstaates, […] und zu dem Zeitpunkt, zu dem diese Leistung ausgeführt wird.“

Das bedeutet, dass ein Unternehmen Bitcoin als Zahlungsmittel für seine Waren und Dienstleistungen verwenden kann. Der Betrag in Bitcoin muss dabei in Deutschland bspw. in Euro bemessen werden, zu dem Wert, den der Bitcoin in diesem Zeitpunkt (Tageskurs) hat. Ein fiktives Beispiel:

Ihr seid ein Möbelhaus, ihr wollt tolle, moderne Möbel verkaufen, und akzeptiert nun auch Bitcoin als Zahlungsmittel. Angenommen ein Bitcoin wird heute zu einen Kurs von 1.000,- € gehandelt und ihr habt eine Couch im Angebot für 1.190,- € inkl. Mehrwertsteuer (MwSt.). Dann beträgt der Preis der Couch 1,19 BTC inkl. MwSt. In diesem Fall ist die MwSt. natürlich erforderlich, weil diese bei einem Inlandsverkauf grundsätzlich auf alle Waren und Dienstleistungen erhoben wird.

„In analoger Anwendung […] soll die Umrechnung zum letzten veröffentlichten Verkaufskurs (z. B. auf entsprechenden Umrechnungsportalen im Internet) erfolgen. Dieser ist vom leistenden Unternehmer zu dokumentieren.“

Leider ist der bürokratische Aufwand hier etwas höher als gewöhnlich denn auf der Rechnung müsst ihr als Möbelhaus den Preis in Euro und in Bitcoin ausweisen:

Diese Couch kostet Brutto 1.190,- € / 1,19 BTC, wovon 19% MwSt. 190,- € / 0,19 BTC darstellen und der Tagesaktuelle Kurs von Bitcoin ist 1.000,- € / 1 BTC. Der Nachweis des Bitcoin Kurses sollte ggfs. mit Screenshot dokumentiert werden, damit ihr die Nachweispflicht erfüllt.

Mining

„[…] Bei den Leistungen der Miner handelt es sich um nicht steuerbare Vorgänge.  Die sog. Transaktionsgebühr, welche die Miner von anderen Nutzern des Systems erhalten können, wird freiwillig gezahlt und steht in keinem unmittelbaren Zusam- menhang mit den Leistungen der Miner. Auch die Entlohnung in Form des Erhalts neuer Bitcoin durch das System selbst ist nicht als Entgelt für die Minerleistungen anzusehen, da die Minerleistungen nicht im Rahmen eines Leistungsaustauschverhältnisses erbracht werden. Dieses setzt neben dem Leistenden das Vorhandensein eines identifizierbaren Leistungsempfängers voraus. […] „

Auch in Bezug auf Mining ist der Bitcoin also von der Mehrwertsteuer befreit. Und das nicht nur bei den Transaktionsgebühren, sondern auch für die Entlohnung, die ein Miner für das schürfen eines Blocks erhält. Das sind aktuell 12,5 Bitcoin pro Block.

Handelsplattformen

„Stellt der Betreiber einer Handelsplattform seine Internetseite als technischen Marktplatz zum Erwerb bzw. Handel von Bitcoin den Marktteilnehmern zur Verfügung, handelt es sich um die Ermöglichung der rein EDV-technischen Abwicklung. Eine Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 UStG kommt hierfür nicht in Betracht.“

Auf einer Börse, die in Deutschland sitzt und auf der ihr Kryptowährungen direkt vom Anbieter kauft, fallen also prinzipiell 19% MwSt an. Aber:

„Soweit der Betreiber der Plattform allerdings den Kauf und Verkauf von Bitcoin als Mittelsperson im eigenen Namen vornimmt, kommt die Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 Buchst. b UStG in Betracht.“

Ist es eine Börse wie auf bitcoin.de, dann entfällt diese MwSt., weil der Kauf und Verkauf nicht mit dem Anbieter der Börse erfolgt. Dieser stellt ja nur den Marktplatz zur Verfügung. Die Coins selbst werden von den Nutzern untereinander direkt gekauft oder verkauft.

Ether, Ripple & Co.

„Angesichts der Urteilsgründe und unter Berücksichtigung des Gleichbehandlungsgrundsatzes werden auch andere sog. virtuelle Währungen den gesetzlichen Zahlungsmitteln gleichgestellt, soweit diese Währungen von den an der Transaktion Beteiligten als alternatives vertragliches und unmittelbares Zahlungsmittel akzeptiert worden sind und keinem anderen Zweck als der Verwendung als Zahlungsmittel dienen. Dementsprechend ist der Umtausch solcher sog. virtuellen Währungen in gesetzliche Zahlungsmittel und umgekehrt steuerbefreit. Dies gilt nicht für virtuelles Spielgeld (sog. Spielwährungen oder Ingame-Währungen, insbesondere in Onlinespielen), da dieses kein Zahlungsmittel i. S. d. MwStSystRL darstellt.“

Das sind genauso gute Nachrichten wie bei Bitcoin: Auch Altcoins sind von der Mehrwertsteuer befreit, wenn sie gegen Euro getauscht werden.

Im Resultat begrüßen wir diese Entscheidungen und haben den Eindruck, dass das Bundesfinanzministerium in dieser Veröffentlichung offen gegenüber Bitcoin und Kryptowährungen eingestellt war. Ob die Regierung und die EU diese Linie beibehalten bleibt abzuwarten.